Vom Blei zum Gummi !!



Seit vielen Jahren sind wir schon begeisterte Norwegenfahrer und Meeresangler. Wir, das heißt meine Familie (Frau Birgit und Sohn Bjarne 12 Jahre), meine Freunde vom Fishingteam Schaumburg (Andreas, Andreas, Hagen, Peter, Wilfried) und ich.



Mich hatte die Meeresangelei bereits auf unserer 1. Norwegenurlaubsreise gepackt.

Das ist nun schon über 15 Jahre her und geschah auf den Vesteralen am Gullesfjord. Dort habe ich mit geliehenem alten Gerät und einem 80 gr. Pilker vom Ufer nach dem zweiten Mal auswerfen meinen ersten Dorsch gefangen (ca. 2 kg). Von da an hat mich Norwegen und das Meeresangeln in dieser wunderschönen Landschaft nicht mehr losgelassen. Übrigens, keiner von uns angelt in Deutschland.


 Seit diesem Erlebnis versuche ich nun zweimal im Jahr in Norwegen zu weilen. Einmal im Jahr fahre ich mit meinen Freunden vom Fishingteam Schaumburg, die sich  mittlerweile auch alle zu begeisterten Norwegenfahrern und Meeresanglern bekennen, im April / Mai jeden Jahres für 7 Tage ins gelobte Land.
Mit der Familie bin ich jedes Jahr für 3 Wochen in Norwegen. Angeln ist dann nur eine von vielen anderen Freizeitaktivitäten. Aber halt auch immer wichtig.  

Für das Fishingteam Schaumburg sollte es in diesem Frühjahr eine besondere Tour werden, so hatten wir es alle jedenfalls beschlossen. Wir hatten schon früh im letzten Jahr auf der Düsseldorfer Boot mit Herbert Jordan vom Angelwebshop Kontakt aufgenommen und ihn nach einer guten Meeresangleranlage mit guten Booten ausgefragt. Herbert kannte ich bereits von vielen telefonischen Kontakten, Equipmentbestellungen und Fachsimpeleien. Er hat uns sofort das größte Haus von Helgesfishingcamp auf Ulveröa (kleine Nebeninsel von Hitra) mit 2 Booten (absolut seetüchtige Aluboote von Kaasböllboats mit 30 PS Motoren) angeboten. Das Ferienhaus war auch für 6 Personen gut geeignet und gut ausgestattet (Spülmaschine etc.). Wir konnten die sog. „Weiße Villa“ direkt nach Herberts Norwegenseminar für unsere 7 Tage mieten.

Wie auch vor dieser Tour wurde selbstverständlich das Angelequipment überprüft, einschlägige Literatur studiert und die Meeresangeltage in Magdeburg besucht.    

Mit Herbert und Olli vom Angelwebshop gab es wieder viele Kontakte: Bestellungen und Austausch von Tipps und Tricks besonders über die richtigen Angelstellen im völlig neuen Angelrevier. Mit Herbert verabredeten wir ein Treffen auf unserer Anfahrt bzw. Herberts Abreise. Mit Olli trafen wir uns direkt vor Ort. Olli hatte sich mit Bruder und Freund eine Woche Erholungsurlaub vom Hausbau verordnet.

Bei all unseren Kontakten hörten wir immer wieder: Ihr müsst in jedem Fall mit Gummifischen angeln und zwar auf Pollack, das ist der Brotfisch (Größen von 4 – 6 kg sind die Regel) dieses Jahr.

Also haben wir unsere Gummifischsammlung um einige große Exemplare ergänzt. Wir waren ja im Großfischrevier Norwegens und diesmal sollten die richtig Großen an den Haken !

Meine umfangreiche und über Jahre getestete Pilker- und Vorfachsammlung hatte für mich natürlich den größten Stellenwert. Hier war ich sicher, da ich ja auf jahrelange Erfahrung zurückblicken konnte.

Also gleich nach unserer Ankunft wurde alles schnell entladen und verstaut, die Schlafgemächer bezogen und natürlich die diversen Angeln und Rollen montiert.

Und am gleichen Tag wurden die Boote nach Einweisung von Helge, zum Einsatz gebracht und das Anglerglück herausgefordert. Geangelt wurde natürlich mit den alt bewährten Methoden: Pilker (in allen Größen), Pilker mit  Vorfach (in allen Variationen), Naturködermontagen (in alle Ausprägungen und Selbstbau-Fantasien) mit mäßigem Erfolg. Das wiederholten wir auch an den nächsten Tagen. Wir probierten natürlich auch alle hoch gepriesenen Angelstellen (s. hierzu die einschlägige Fachliteratur z.B. Kutter und Küste) aus. Zum Einsatz kamen immer die vor geschilderten Methoden und Köder, nur selten mal die „Gummis“ und wenn dann nur die großen Exemplare in mittlerer Wassertiefe (30-60 m). Alles mit mäßigem Erfolg. Andere im Gebiet erfahrene Angelteams brachten allerdings immer Ihre Pollacks in großer Stückzahl mit an Land. Auch Olli bestätigte gute Fänge auf Pollack nach unserem ersten Treffen. Nach weiteren Tagen mit mäßigem Erfolg, baten wir Ihn uns doch mal seine Köder zu zeigen. Und da waren wir überrascht, nicht die großen Gummis und schweren Bleiköpfe kamen zum Einsatz, sondern Bleiköpfe von 20 bis 40 gr.. Und Gummifische von 11 bis 14 cm in Wassertiefen von 5 bis 20m. An den verbleibenden Tagen spielte dann das Wetter nicht mehr richtig mit. Es blieben uns für dieses Mal nur noch einige Achtungserfolge. Zwei von uns (Peter und Andreas seien hier extra erwähnt) schafften es mit Ausfahrten nachts wenigstens einige wenige Pollacks (Andreas mit Pollack von 6,7 kg und damit Jahresrekord des Fishingteams Schaumburg) noch zur Strecke zu bringen. Mit unserer herkömmlichen Methode fingen wir zwar 2 schöne Seeteufel (Hagen und Peter), kleinere Köhler und einige Dorsche, Lumbs und Lengs, aber alles in allem zu wenig (1/4 von den Vorjahresfängen). Trotzdem haben wir unsere Angeltour mit einer zünftigen Party abgeschlossen. Hier wurde noch mal ausgiebig mit Ollis-Truppe, die unsere Gäste waren, gefachsimpelt.

Das maximale Ausfuhrgewicht von 15 kg pro Person wurde dieses Jahr von uns nicht annährend erreicht! Die Enttäuschung war noch einmal besonders groß, als wir die Beute zuhause gerecht (jeder bekommt bei uns den gleichen Anteil) verteilten.

Das Ferienhaus, die Boote, Filetierplatz etc. ließen jedenfalls nichts zu wünschen übrig und sind in jedem Fall empfehlenswert.



Hier noch ein Tipp: Wer in Norwegen Motorboote leiht, sollte seine private Haftpflichtversicherung überprüfen. Mit einem kleinen Zusatz (Mehrkosten pro Jahr rd. 10 - 30 €) kann man selbst verursachte Schäden an den Booten mitversichern lassen. In jedem Fall mit seinem Versicherungsmann seines Vertrauens klären !

Das ist mir dieses Jahr passiert: beim Ablegemanöver habe ich einen Motordeckel ruiniert (Kostenpunkt: 500 €):

Aber ich hatte ja noch die Chance in diesem Jahr im Familienurlaub die neue Angeltechnik ausgiebig zu testen. Im Frühjahr hatte ich bereits bei Herbert schon die richtige Rute-Rollen-Kombination geordert (die neue Penn Sea Spin 30 – 100 gr. mit der Penn Slammer 360 und die 15 kg-Schnur exakt 560m in grün 0,12 mm). Olli rief ich vor Abreise im Angelwebshop an und er stellte mir eine Gummifischsammlung zusammen, die ich mit in mein bekanntes Sommerangelrevier nahe der Atlantikstraße zwischen Molde und Kristiansund nahm.

In der ersten Woche habe ich mit Sohn und Frau erst einmal die herkömmlichen Methoden ausprobiert, und dieses auch mit gutem Erfolg. Dorsch, Leng, Köhler, Schellfisch, Lumb, Rotbarsch etc. und sogar Seehecht gingen uns an die Angel.
Aber jedes Mal, wenn wir nicht all zu weit raus fuhren und im niedrigen Wasser (5 – 20 m Wassertiefe) mit dem angesprochenem leichten Gerät angelten, war unsere Fischkiste innerhalb kurzer Zeit voll und zwar mit Dorsch und Polack; alle in Gewichten ab 1,5 kg bis 7 kg. (Bild 1 und 2)
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In der zweiten Woche hatten wir damit unsere Einfrierkapazität fast ausgereizt. Das Angeln mit dem leichten Geschirr machte uns soviel Spaß, das wir die schweren Angeln gar nicht mehr zum Einsatz brachten, vor allem nachdem uns einige Hänger die Köderkiste erleichtert hatten.
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 In der verbleibenden Zeit gelangen mir dann meine bis her größten Angelerfolge.
Im flachen Wasser, das Echolot zeigte 9 m an, nahe einer kleinen Insel (Strömungspunkt), bekam ich plötzlich 1 m unter der Wasseroberfläche, ich war schon langsam mit dem Einholen des Gummifisches geworden, einen mächtigen Anbiss. Der Fisch mit meinem Gummifisch im Maul machte sich davon. Wer das Abspulen der Schnur von der Rolle kennt, wenn ein großer Fisch abzieht, weiß wie aufregend und einmalig dieser Augenblick ist.
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Es vergingen ca. 15 Minuten bis wir zum ersten Mal sehen konnten, um was es sich da eigentlich handelte, was da am Haken hing. Alle meine Versuche den Fisch nach oben zu bekommen wurden bisher immer mit vehementen Fluchtversuchen quittiert. Aber als mein Sohn Bjarne und ich sahen, dass es sich um einen guten Heilbutt handelte, waren wir noch aufgeregter. Wer glaubt, dass sich der Heilbutt jetzt bereits ergeben hätte, ist schief gewickelt. Jedes Mal, wenn der Heilbutt die Sonne erblickte schoss er wieder hinab zum Grund. Ich habe beim 10 mal hoch Kurbeln aufgehört zu zählen. Nach weiteren 15 Minuten zeigte der Heilbutt erste Ermüdungs-erscheinungen. Bjarne sollte nun mit einem norwegischen Schlaggaff (50 cm Länge) dem Heilbutt zu Leibe rücken. Dabei war es wichtig den Kopf des Fisches nicht mit der Rute aus dem Wasser zu ziehen. Ich hatte große Angst, dass die leichte Schnur und der Haken nicht hielten. Jedenfalls beim ersten Anblick des Gaffs war der Heilbutt wieder auf dem Weg zum Grund, dass wiederholte sich noch dreimal. Zwischenzeitlich war unser Hausnachbar, der auf der Heimfahrt war, auf uns aufmerksam geworden und wollte sich vergewissern, dass wir nicht in Seenot waren. Bjarne rief auch gleich um Hilfe „Wir haben da einen „Großen“ dran, einen Heilbutt. Eckhard zögerte nicht lange und stieg in unser Boot über, mit großem Kescher und 2 m langem Gaff bewaffnet. Wir versuchten es zuerst mit dem großen Kescher, dass quittierte der Heilbutt wieder mit einer vehementen Flucht. Beim nächsten Treffen kurz unter der Oberfläche kam dann das lange Gaff zum Einsatz. Eckhard packte beherzt mit dem Gaff zu und landete den Heilbutt im Boot.

Die vom Vermieter eigentlich für das Angelzeug bereitgestellte Schubkarre, für den Weg über die Mole, kam als Fischtransportmittel zum Einsatz. Der Heilbutt brachte 10,2 kg bei 99 cm Länge auf die Waage. (Bild 3-5)

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Doch nicht genug. Zwei Tage später, die Familie hatte abends keine Lust zum Angeln, fuhr ich alleine an meine Heilbuttstelle 300m vom Haus entfernt. Ich versuchte mein Glück mit Gummifischen aller Farben, aber es wollte kein Fisch anbeißen. 1 Stunde lang versuchte ich vergeblich etwas ins Boot zu bekommen. Das Wetter war ruhig und ab und zu sprangen ein paar Heringe mal weiter entfernt, mal näher am Boot. Ich dachte mir, - nun gut wenn Heringe unterwegs sind -, mögen die Fische meine Gummis nicht.

Ich beschloss noch 2-3 mal auszuwerfen und nach Hause zu fahren. Nach dem 2. Versuch bekam ich nahe Grund (bei 15 m Wassertiefe) einen starken Anbiss. Bei mir waren sofort die Erinnerungen an den Heilbutt wach. Die Fluchtversuche waren aber viel gröber und nicht so vehement als bei dem Heilbutt. Ich brauchte 20 Minuten bis ich den Fisch zu Gesicht bekam. Ich hatte einen schönen Dorsch müde gekämpft. An der Wasseroberfläche war es für mich kein Problem den Dorsch alleine mit meinem immer parat liegenden Schlaggaff richtig zu haken und in das Boot zu bugsieren. Erst als der Brocken im Boot lag, sah ich, was ich da für ein großes Exemplar gefangen hatte. Das war mein persönlicher Rekord !!

Ich wusste Bjarnes Rekord (1,23 m und 19 kg), 4 Jahre zuvor im gleichen Gebiet gefangen, wackelte.

Ich brach meine Fangaktivitäten, wie vorher geplant, ab und machte mich in ausgelassener guter Laune mit meinem persönlichen Rekorddorsch zum Anleger auf. Als Bjarne, den ich mit der Schubkarre um Hilfe bat, den Dorsch sah, bekam er sofort Angst um seinen Rekord.

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Er hatte Glück! Knapp behielt er seinen familieninternen Rekord. Der Dorsch brachte 15,3 kg bei 1,21 m auf die Waage (Bild 6-7).
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Wir hatten dank der Gummis einen sehr erfolgreichen Angelurlaub. Ich konnte unsere Hausnachbarn ebenfalls von den Gummis mit leichtem Gerät überzeugen.
An dieser Stelle möchte ich mich beim Team vom Angelwebshop bedanken. Herbert und Olli haben mich zum Angeln mit Gummis und leichtem Geschirr bekehrt. Als Resümee folgendes: Mit Gummis haben wir ungefähr 80 % unserer Sommerfänge gelandet. Bjarne zeigte sich hierbei als Spezialist für Pollack. Seine Lieblings-Gummis von Kopyto waren dabei blau-glitter und blau-weis  (11cm lang) an 30 gr. Bleikopf. Sein größter Pollack brachte immerhin 7 kg auf die Waage. Bei mir hingegen war es umgekehrt, ich war mit Gummis von Kopyto (11 cm lang) aller Farben besonders erfolgreich im Dorschangeln. Übringens: der Heilbutt hat auf blau-weiß (Schalkefan ??) gebissen.
Rückblickend auf 6 Jahre Erfahrung in diesem Gebiet haben wir dieses Jahr die meisten Dorsche und Pollacks gefangen. Alle mit Gummis gefangenen Fische kamen aus einer Wassertiefe von max. 30 m. Was ebenso auffiel war, dass alle gefangenen Fische von guter Größe waren, soll heißen es waren keine kleinen untermäßigen Fische am Haken.
Anzumerken bleibt jedoch, dass mit dieser Angelmethode gerade die genannten Fische aber auch Köhler an den Haken gehen. Aber Fische, die größere Tiefen und Naturköder lieben wie Lumb und Leng, sind damit schwer zu überzeugen. Aber das leuchtet jedem sowieso ein.
Wir können jetzt schon das nächste Jahr nicht mehr erwarten um das Angeln mit Gummis mit leichtem Geschirr wieder zu praktizieren. Es ist in jedem Fall zu meiner Lieblingsmethode geworden.
Aber mal sehen was Herbert und Olli fürs nächste Jahr zu bieten haben.
Gruß und Petri heil
Werner Scholz

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