Ticket Service
 
Liebe Kameraden, 
mir ist da kürzlich eine lustige Geschichte passiert, die nur am Rande etwas mit dem Angeln
zu tun hat, aber eigentlich zu schade ist, um sie nicht an dieser Stelle für Euch niederzuschreiben.
OK?
Dann will ich mal.

Letzten Samstag wollten wir, mein Sohn Laurent und ich, das Saisonfinale
feiern und noch einmal zum Fischen gehen. (2006 war anglerisch gesehen schon toll) 
Da noch einige Köder und Haken fehlten, stürzten wir uns in die morgendliche Rushhour.
Auf ging’s nach Trier und dort unter die Erde ins Tiefgaragen - Parkhaus.

Im Angelladen lief alles wie geplant und wir waren schnell fertig für die Heimfahrt.
Unser Angelberater empfahl noch dringend, die Maden und Würmer schnellstens
in den heimischen Kühlschrank zu bringen.

Doch dann geschah etwas, was wir beide so schnell nicht wieder vergessen werden.

Wieder im Parkhaus angekommen, gab’s eine riesige Warteschlange am Kassenautomaten,
und da wir beide keine Langeweiler sind, wollten wir uns das wirklich nicht antun.
Mein Sohn kam daher auf eine tolle, aber auch verhängnisvolle Idee:
„Du, ich kenn da einen Trick im Kaufhaus, wie wir unser Parkticket freimachen
können ohne Bezahlung, und dann sparen wir uns die Schlange und können sofort losfahren!“
O.K. Gesagt getan, wir ab ins nächste Kaufhaus zum „Trick“.
Nach einigem Betteln und zwei Euro Schmiergeld sagte uns der freundliche Verkäufer mit einem Augenzwinkern:
„Kein Problem, ich  knipse Ihr Ticket und alles ist bestens, obwohl Sie bei uns nichts
gekauft haben!“
So „bestens“ war’s dann aber doch nicht.
Im Parkhaus selbst immer noch eine lange Warteschlange, und wir da durch.
Als wir einige Minuten später im Auto saßen und langsam vor die Schranke rollten,
fingen die Probleme erst richtig an.
Die Barriere wollte sich bei uns nicht öffnen, der Automat spuckte immer und immer wieder das Ticket aus.
Mittlerweile hatten sich schon sehr viele hupender Autofahrer hinter uns angestellt, die auch nichts anderes als nur hier raus wollten nach der endlosen Warterei.
Uns fiel in diesem blöden Augenblick nichts Besseres ein als den roten Notknopf zu betätigen und
um Hilfe zu rufen.
Am Lautsprecher meldete sich eine Männerstimme:
„Sie müssen halt bezahlen, sonst kommen Sie hier nicht raus!“
(Aber das hatten wir doch schon erledigt mit dem „Trick“.)
„Guter Mann“ sprach ich dem Hausmeister ins viereckige Mikrofon
 „meinen Sie, ich mach mir hier einen Spaß draus und halt den ganzen Verkehr auf,
nur um nicht zu bezahlen ?“
Ihr  „Sch...Automat“ taugt nichts und machen Sie sich schnellstens hierher und öffnen,
sonst gibt’s Hiebe “ (hier erschrak ich selbst vor meiner eigenen Courage).
Der wiederum war nun auch am Schimpfen wie ein Rohrspatz und nörgelte so was wie:
„.....komme jetzt extra von auswärts, und  falls Ihr Ticket faul ist, müssen Sie die
Anfahrt und den Schaden tragen.“
Langsam wurde uns die Sache doch etwas mulmig und wir hätten uns am liebsten verdrückt,
aber das ging ja nicht. Die einzig mögliche Fahrtrichtung war nun mal vorwärts, geradeaus,
und genau dort lauerte die Schranke. Im Grunde waren wir erledigt.

Aber wie spricht schon der Volksmund:

                                Wenn Du denkst es geht nicht mehr,
                                kommt irgendwo ein Lichtlein her.
   
Wie vom Himmel gerufen erschien dann ein lieber Autofahrer aus der wartenden
Schlange hinter uns an meinem Wagenfenster und wollte uns Beistand leisten.
„Na, was gibt’s denn für ein Problem ?“
„Na was schon , der Apparat ist defekt und nimmt mein Ticket nicht an,
probieren Sie doch mal Ihres...........!! (einige Sekunden Ratlosigkeit)
 „?“
Der nette , zugegeben etwas naive Mann neben mir am Fenster zückte sein gutes Ticket
-für das er stundenlang angestanden hatte - und schob es stolz in den  Automatenschlitz !!!!!
Oh Wunder !!!!

Image


Was dann kam, könnt Ihr Euch ja wohl schon denken: Es war der Hit !!
Der Schlagbaum ging blitzartig hoch und ich legte bereits den ersten Gang ein.......da rief mein
lieber Retter von draußen: „...und was mach ich jetzt ???!!!“

Na, ich wollte mich nicht lumpen lassen und reichte ihm in einer Blitzaktion beim Anfahren
mein glückloses Ticket, welches mich so schändlich im Stich gelassen hatte.
Danach quietschten meine Reifen.

Jetzt, wieder bei Tageslicht, können  wir uns die Bäuche vor Lachen kaum mehr halten.
Etwas leid tut  er mir jetzt schon, der verdutzte, brave Gesell, der nun unten an meiner Stelle steht
und nicht  so recht weiss, wie ihm denn so recht geschieht. 
Ganz zu schweigen von seiner tobenden Ehefrau im Wagen, von der ich noch einen flüchtigen Blick im Rückspiegel erhaschen konnte, und dem Hausmeister, der bereits in der linken Gangway
mit der Werkzeugkiste im Anmarsch ist und mir schon die Hölle auf Erden versprochen hatte, falls mit meinem, jetzt „ehemaligen “ Ticket etwas nicht in Ordnung sei.
 
So ist es mir tatsächlich ergangen, und ich wünsche keinem Leser dieselbe Situation und:
Bitte auch nicht nachmachen.

 `Le Filou`      
Luxemburg, den 15.11.06


(Der Autor möchte lieber nicht namentlich genannt werden…….).

weiter >