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Kuttertour mit der Frigg II 2006
Eine Kuttertour ist für mich immer noch ein kleiner Höhepunkt auf einer Norwegen-Angelreise. Endlich sind alle "Kumpels" mal auf einem Boot zum Fischen. Endlich geht es mal etwas weiter raus auf die See. Die salzige Luft weht einem um die Nase, die Gischt spritzt einem ins Gesicht und das Auf und Nieder in der Atlantikdünung lässt einem die Größe und Kraft des Meeres wieder richtig bewusst werden. Das Brummen des Dieselmotors, das Stampfen des Kutters, das Pfeifen des Windes, das Geräusch der Wellen, die gegen den Bug schlagen, und das Geschrei der Möwen vermischen sich zu einem Geräusch das uns Meeresanglern wie Sirenengesang vorkommt. Ganz in Ruhe wird das Gerät zusammengebaut und die wunderbare Zeit bis zum ersten „TRÖÖT“ vergeht durch die leichte Anspannung fast überhaupt nicht, man könnte meinen sie steht still.
Am für uns zweiten Tag des Norwegenseminars, dem 21.04.06, war es dann endlich soweit. Von Nervosität keine Spur, es wurde in Ruhe das Frühstück „eingeworfen“ und die letzten Vorbereitungen getroffen. Zu ruhig, wie wir bei der gut 60km langen Fahrt feststellen mussten denn Eis und Reif auf den Straßen verhinderte ein pünktliches Eintreffen am Hafen der Frigg. Der Kapitän Petter telefonierte gerade ganz nervös mit Herbert als ich den Steg betrat. Mit einem Grinsen auf seinem Gesicht meinte er, nicht viele Angler würden bei solch einer Ausfahrt zu spät kommen, die meisten würden viel zu früh am Hafen stehen. vlnr: Ingo, Danny, Petter, Toni Nach dem üblichen „Entern“ hieß es dann endlich „Leinen Los“ und wir verließen den sicheren Hafen. Einige machten dann auch sofort ´n Nickerchen an Bord… ;-)
Penner
Das Wetter war einfach traumhaft und sollte sich auch den ganzen Tag nicht ändern.
Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt, in der wir unser „Equipment“ aufbauten und überprüften, verlangsamte Petter die Fahrt und fing an zu suchen. Dann endlich das erlösende erste „TRÖÖT“ und im Nu verschwanden die Pilker unter der Wasseroberfläche. Köhler und Dorsch in mittleren bis guten Gewichten nahmen unsere Köder, die Fischboxen füllten sich recht schnell. Mein Bruderherz konnte bei seiner 19ten Norwegenreise hier auf der Frigg II dann auch endlich seinen ersten „Norwegenmeter“ erreichen, ein Dorsch von 1,05m und 14,5kg. Nach ca. 2,5h waren dann die Boxen mehr als gut gefüllt und wir gaben unserem Käpt´n zu verstehen, dass wir es nach dem Mittagessen gern auf Naturköder probieren möchten. Mit Wammerln und Linsensuppe machten wir es uns dann an Deck gemütlich, die anfängliche Hektik war verschwunden. Uns waren zwar bisher nicht die Megabrocken vergönnt aber wir hatten gut gefangen und dem entsprechend war auch die Stimmung. Nach dem Mittag setzte Petter Kurs auf „Leng“, wir bauten derweil um auf Natur und beköderten unsere Systeme. Da ich schon mal mit der ersten Frigg auf „Lengtour“ war, die gänzlich ohne Leng geblieben ist, rechnete ich nicht mit den Riesen. Vor allem da Petter vorher noch meinte, dass es im Moment mit dem Leng nicht so läuft. Jetzt frage ich mich manchmal was das Zwinkern in seinen Augen bedeuten sollte während er das sagte… Mein Bruder war der Erste, der einen Leng aus etwa 220-240m nach oben holte. Dieser hatte etwas über einen Meter und war somit der zweite Meterfisch dieser Tour für ihn. Er hatte gerade den Fisch an Bord da gab es einen Ruck in meiner Rute: Die Spule drehte sich langsam rückwärts und ich ging mit der Bremskraft nach oben bis der Hebel meiner Penn Formula 10kg auf „Strike“ lag. Jetzt musste der Fisch ca. 9kg an Bremskraft überwinden doch die Spule drehte sich unaufhaltsam rückwärts. Zwischendrin immer das bekannte Schlagen eines Lengs, nur viel kräftiger als ich es je erlebt habe. Nach einer ganzen Weile dachte ich, dass ich am Grund hänge und einen Fisch am Haken hab, denn immer noch drehte sich die Spule. Also den Hebel über Strike und den Daumen auf die Spule. Sie hörte auf sich zu drehen und ich konnte den Fisch etwas halten. Doch immer wenn der Druck auf meine 80lbs Penn Millennium zu groß wurde, so dass die Schnur dem Blank zu nahe kam und die 0.22er Spiderwire Stealth bis zum Zerreißen gespannt war, gab ich dem Fisch wieder etwas Schnur, ab und zu nahm er sich auch einfach ein paar Meter. Unglaublich! Ich war bis in die letzte Nervenfaser angespannt und hoffte, dass mir dieser Riese nicht verloren ging. Im Drill bemerkte ich kaum was an Bord sonst so geschah, nur dass um mich herum kräftig gepumpt wurde. Irgendwann konnte ich dann dem Fisch endlich ein paar Zentimeter abnehmen und ab da begann dann das lange Pumpen. Langsam, ganz langsam bekam ich wieder Schnur auf die Rolle, immer wieder unterbrochen durch das bekannte „Querstellen“ des Leng bei dem die Schnur durch die Drift wieder ablief. Nach und nach gewann ich aber Oberhand, die Gegenwehr ließ spürbar nach und ich konnte Meter um Meter gewinnen. Nach etwa ½ bis ¾ Stunde ließ der Druck nach und der Fisch kam nach oben. Ich schätze mal in 80-100m Entfernung kam dann der Fisch… aber was war das? Nicht einer, nein zwei große Lengs trieben auf der Wasseroberfläche. Langsam kurbelte ich die Fische ans Boot, zu langsam wie sich herausstellen sollte. Sie trieben genau in Hubert seine Schnur, der auch gerade mit etwas sehr Großem beschäftigt war. „Peng“ und seine Schnur war durch. Die beiden Fische wurden an Bord gehoben, 20 und 34kg wurden später gewogen. Was für Riesen! Selbst mit dem 20kg wäre ich mehr als zufrieden gewesen, hätte ich doch schon mit diesem meinen persönlichen Rekord um 4kg hochgeschraubt. So richtig konnte ich mich aber über den Fang nicht freuen, denn Hubert war die Enttäuschung anzusehen. Nach kurzer Zeit entdeckte er aber seinen… nee seine Fische auf der Oberfläche des Nordatlantiks treibend. Wieder eine Dublette, dieses mal mit 23,5 und 25kg. Nach dem alle diese Drift beendet hatten, konnten wir dann auch diese Fische aufnehmen. Mir fiel ein Stein vom Herzen und bei Hubert wohl ein ganzes Gebirge. Die Stelle wurde neu angefahren und wieder sanken die Naturködersysteme in die Tiefe. Aber ohne Hubert und mich, wir hatten erstmal genug. Wir schauten den Anderen beim Angeln zu, gaben seelische Unterstützung und halfen beim Gaffen. Martin, der beim ersten Mal schon eine sehr gute Dublette mit 57kg pumpen konnte, brachte jetzt wieder einen großen Leng mit 25kg an die Oberfläche. Bei Toni verabschiedete sich ein Haken vom Seitenarm und er verlor einen sehr guten Leng. Das Gaffen war für uns „Aussetzer“ eine nicht gerade leichte Aufgabe. Man kann sich vorstellen wie schwierig es ist zwei so große Lengs, die an einem System hängen, über die hohe Bordwand eines Kutters zu heben, zumal der Platz an Deck durch die vielen großen Lengs mittlerweile sehr eingeschränkt war. Leng um Leng kam an Bord und bei der letzten, vierten Drift kam dann doch der Angler wieder in mir durch. Also noch mal ein neues Vorfach angebaut, beködert und in die Tiefe gelassen. Jetzt konnten auch Ingo, Toni und Andy so richtig zuschlagen, alle drei hatten bisher die 20kg noch nicht geknackt! Ingo hatte eine Dublette mit 26 und 28kg, Toni eine mit 28 und 21kg und Andy einen mit 26kg nachdem der zweite die nagelneue 1.2mm Monofile durchgerissen hatte. Martin konnte auch noch mal eine Dublette von 15 und 30kg landen, bei mir war es dann noch mal ein 29kg Brocken. Patrick Garscha von der anderen Truppe an Bord konnte nun ebenfalls einen Leng von 29kg auf die Planken legen. Zusammen lagen jetzt mehr als 20 Lengs an Deck, 15 davon über 20kg! Wir hatten schon vor der letzten Drift dem Käpt´n zu verstehen gegeben die Tour danach abzubrechen, was er dann auch tat. Petter ließ sich aber an diesem Tag nicht lumpen und jeder bekam ´n Glas Wodka (oder auch zwei ;-) oder drei…) auf den Fang - auch das haben wir auf der Frigg noch nicht erlebt! Die Heimfahrt zum Hafen über konnten wir unser Glück noch gar nicht richtig begreifen. Erst Tage später wurde mir wirklich bewusst, dass dies die Kuttertour unseres Lebens war. Im Hafen angekommen staunten wir nicht schlecht als ´n Haufen Leute mit Kameras bewaffnet auf uns warteten. Da hatte wohl schon jemand bei der Heimfahrt über Funk „gepetzt“. So etwas hatten also selbst die Einheimischen noch nicht gesehen. Wir wollten jetzt nur noch ins Camp zurück und uns ein wenig erholen denn schließlich mussten die Fische auch noch versorgt werden. Doch das Wiegen, Vermessen, Ablichten und Verpacken der Fische nahm dann auch noch etliche Zeit in Anspruch. Die persönlichen Rekorde: Hubert (Leng 1.47m, 25kg) Toni (Leng 1.57m, 28kg)
Natürlich gab es dann Transportprobleme, niemand rechnet ja mit so einem Fang. Hubert und Toni mussten sogar ein zweites Mal nach Titran zurück, um die von Petter geborgten Fischkisten zurückzubringen, ohne die wir den ganzen Fisch nicht hätten fortschaffen können. Nach dem Abendessen begann dann die Nacht der langen Messer, bis drei Uhr wurde filetiert, gewaschen und verpackt. Fix und fertig gab es dann noch einen kleinen „Schlummertrunk“ auf diese doch sehr erfolgreiche Kuttertour bevor sich dann nach und nach alle in ihre Betten zurückzogen… |