Der König des Nordmeeres - der Heilbutt

Einführung

Verdient dieser Bewohner des Meeres den Titel eines Königs? Ich denke ja. Es gibt gleich mehrere Gründe. Zum einen liegt es sicher an seiner majestätischen Gestalt, die in uns Meeresanglern Erfurcht und Respekt hervorruft. Ein weiterer Grund - und das ist wohl der wichtigste - für diesen Königsstatus erhält der Heilbutt alleine durch den Wunsch vieler Angler, ein einziges mal in ihrem Anglerleben einen Heilbutt über Bord ziehen zu können.

Nur wenige haben sich diesen Traum bisher erfüllen können. Man hört zwar immer wieder von "mehrstündigen Drills von 100 Pfund-Brocken", aber die wenigstens Geschichten stimmen, eben Anglerlatein. Betrachtet man die Sache wirklich realistisch, dann ist es halt so, dass es Angler gibt, die Jahre, wenn nicht Jahrzehnte nach Norwegen fahren und ihnen bisher nicht ein einziger Heilbutt an den Haken gegangen ist. Dieser Reiz endlich einen zu erwischen, steigert den "Hymnus Heilbutt" gleich noch einmal. 

Der Heilbutt

Ein Neuling wird sich jetzt fragen: "Was ist denn an dem so besonderes?" Deshalb an dieser Stelle ein paar Informationen zum Heilbutt. Der Heilbutt (lat. Hippoglossus hippoglossus, norw. kveite) gehört zu den Schollen und Flundern (lat. Pleuronectidae).

Man findet in einschlägiger Fachliteratur folgende Definition: "Rechtsäugige Plattfische. Eine Ausnahme bildet vor allem die Flunder mit ca. einem Drittel linksäugiger Exemplare. Ansatz der Rückenflosse über dem oberen Auge. Hinterrand des Vorkiemendeckels frei und erkennbar. Unterkiefer länger als Oberkiefer und vorstehend."

Schon interessant, die kleine Flunder, aber auch Scholle, Doggerscharbe, Kliesche, Seezunge und noch ein paar andere "Zungen" sind doch tatsächlich mit diesem Giganten verwandt. Doch der nächste Verwandte, denn einen habe ich noch nicht erwähnt, ist der Schwarze Heilbutt (lat. Reinhardtius hippoglossoides). Er wird im Vergleich zum Heilbutt nicht so groß. Seine maximale Länge beträgt 120cm bei einem Maximalgewicht von 45kg. Der Heilbutt hingegen kann eine Länge von bis zu 400cm! bei einem Gewicht bis zu 300kg erreichen. Klingt unglaublich, ist aber wahr. Jedoch wurden Kapitale jenseits der 100kg meist von Berufsfischern mit Netzen erbeutet. Das Alter der Fische betrug dabei selten mehr als 30 Jahre. Der Heilbutt ist ein aktiver Bodenfisch, der bis 1000m Tiefe zu finden ist.

Das auch Hobbyangler solche Brocken fangen können, bewies Odd Arve Gunderstad aus Norwegen.
Dieser Heilbutt brachte 161kg auf die Waage.

Ähnlich wie die Bäume in den Tropen, wo bekanntlich die teuersten Hölzer herstammen, wächst auch der Heilbutt sehr langsam. Gut Ding will eben Weile haben. Nach einem Jahr erreichen die Heilbutte ca. 8-15cm und nach zwei Jahren 18-33cm Länge. Weibchen wachsen erheblich schneller als die Männchen. Die Geschlechtsreife setzt mit 7-18 Jahren ein. Die Männchen haben dann 110cm und 18kg erreicht, Weibchen dagegen bis zu 135cm und 35kg. Die Elterntiere ziehen nach dem Laichgeschäft (etwa von Dezember bis April) in flacheres Wasser mit reichlich Nahrungsangebot. Auch das ist ein Grund, warum man Heilbutte schon in geringen Tiefen erbeuten kann. 

Lebensraum und Nahrung

Der Heilbutt bevorzugt in der Regel weiche bis mittelharte Böden, die relativ eben und gleichmäßig verlaufen. Kleinere Heilbutte ernähren sich zunächst von Bodentieren. Werden sie größer von Sandaalen, Lodden, Krebsen und die Kveiten, von denen jeder Angler träumt, nämlich die richtigen Brocken ernähren sich von Dorsch, Schellfisch, Köhler und Rotbarschen.

Der Fang eines Heilbutt

  • bevorzugt flache, seicht abfallende Böden, speziell sandig und kiesige

  • ist ab 30m zu finden

  • frisst vorwiegend Krebse, Dorsch, Schellfisch, Rotbarsch, Köhler

Diese Daten sollen uns als Anhaltspunkte dienen. Es gibt Reviere, wie beispielsweise Nordnorwegen, aber auch Gebiete in Alaska, wo man gezielt auf Heilbutt fischen kann. Die Chance besteht natürlich auch in Süd- oder Mittelnorwegen, aber es sollte klar sein, dass die Möglichkeiten, vor allem auf Kapitale, Richtung Norden immer größer werden.

Heilbuttgerät

  • Rute 30-50lbs, nicht länger als 2,10m

  • Multirolle ohne Schnurführung, bespult mit mindestens 600m einer 0,30mm geflochtenen

  • Naturköderhaken (am besten Circle Hooks) der Klasse 8/0-13/0

  • Makrelen-/Köhlerfilets oder ganze Fische

Ich betone, dass dieses Gerät bei gezieltem Heilbuttangeln verwendet werden soll. Es ist aber nachweislich so, dass die meisten Heilbutte eher Zufallsfang waren, die im Mittelwasser eingestiegen sind. Da man nicht immer mit einem Heilbutt rechnet, fällt das Gerät dann leider zu schwach aus und so mancher Heilbutt hat den Kampf nicht gegen den Angler, sondern gegen die Rolle/Schnur gewonnen.

Dies bedeutet nicht, dass ihr jetzt nur "dickes" Gerät auffahren sollt, sondern eher Kleinigkeiten beachtet, wie beispielsweise die Einstellung der Bremse!

Der Fang

Wie bereits erwähnt, kann man durchaus gezielt auf Heilbutt fischen. Diese Methode ist sehr langatmig und man sollte eine Menge Geduld und Enthusiasmus mitbringen. Ich habe schon Tage ohne einen einzigen Biß zugebracht, was doch schon deprimierend sein kann, ehe es dann endlich geklappt hat. Die Freude war nachher umso größer!

Man muß eben Opfer bringen können. Wer seine kostbaren Angeltage nicht unbedingt so verbringen möchte, der hat immer die Chance einen Heilbutt zu erwischen - eben als Zufallsfang - und dieser ist es auch, mit den der Großteil aller Norwegenangler einen Heilbutt erwischt. Festzuhalten sei noch, dass die Norweger auf Heilbutt fischen, wenn die Köhler an der Küste umherziehen und grünen Kot im Wasser werfen. Diese Tatsache ist nichts neues, warum der Heilbutt aber gerade darauf steht, konnte mir bislang auch kein Norweger richtig erklären. Es liegt wohl an der Nahrungszusammensetzung, die die Köhler zu diesem Zeitpunkt aufnehmen und der dann zu der Kotfärbung führt und einen besonderen Duft im Wasser verteilt. Achtet daher beim nächsten Mal auf die Farbe, solltet ihr Köhler fangen: könnte Heilbutt-verdächtig sein.

Hier seht ihr Herbert mit Heilbutt.

Landung eines Heilbutt

Sollte euch ein Heilbutt der Kategorie 20kg und mehr an den Haken gehen, dann schleppt ihn ab! Zieht ihn aufs Land und schlagt ihn dort ab. Ansonsten wird er euch alles kurz und klein schlagen. Ein norwegischer Hütteneigner berichtete von einem Ortsansässigen, der einen Heilbutt fing, ihn auf eine Insel schleppte, in sein Boote legte und auf die gegenüberliegende Insel schwamm, um Hilfe zu holen. Als sie den Fisch bergen wollten, war das Boot nur noch Kleinholz, vom Heilbutt keine Spur...

Andreas Stiehler

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Angeln in Norwegen